Pressemitteilung: Quarantänregelung in Schulen

Kultusministerin Gebauer hat vergangene Woche mit einem Erlass neue Regelungen für Quarantäne in Schulen verkündet. Die Ratsgruppe Die Linke nimmt dies als Anlass für eine kurzfristige Anfrage [1] an die Stadtverwaltung. Die Schule beginnt morgen und Schüler:innen, Lehrpersonen und Eltern brauchen Klarheit!

Oliver Ding, Vertreter der Ratsgruppe im Schulausschuss, kommentiert: „Aus unserer Sicht ist die Ministerin den lokalen Gesundheitsbehörden gegenüber nicht weisungsbefugt. Wir erwarten daher vom Medizinischen Dienst, sich bei Quarantäneentscheidungen an die Vorgaben des RKI zu halten: Dort werden enge Kontaktpersonen als solche definiert, die sich mehr als 10 Minuten im einem Raum mit wahrscheinlich hoher Konzentration infektiöser Aerosole aufgehalten haben.[2]

Die auf Antrag der Ratsgruppe Die Linke beschlossene Bereitstellung von für die Lufthygiene unerlässlichen technischen Hilfsmittel zum Gesundheitsschutz von Kindern[3] kann erst zu den Herbstferien umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang sind wir froh, diese Entwicklung vorausgesehen zu haben und daher mit dem Punkt 5 unseres Antrages vom 20.05.2021 bereits eine strikte Quarantäneregelung durch den Rat entschieden wurde.

Die Virusmechanik kann durch Ministerorder nicht außer Kraft gesetzt werden. Insbesondere die Grundschulen und die Klassen 5 und 6, die von den Jahrgängen besucht werden, für die es noch kein Impfangebot gibt, sind bei hohen Fallzahlen einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt. 
Was passiert, wenn nur die nachweislich Infizierten sowie deren  Sitznachbarn unter Quarantäne gestellt werden? Die durch die im Klassenraum vorhandenen Aerosole real ebenfalls Infizierten, aber nicht in Quarantäne befindlichen,  da noch nicht positiv getesteten Kinder sitzen in der Schule, atmen das Virus aus und stecken ihre Mitschülerinnen und -schüler sowie das pädagogische Personal an. 

Zur Erinnerung: Covid-19 ist in den USA unter den 10 häufigsten Todesursachen für Kinder. Es sind bereits mehr als doppelt so viele Kinder an Covid-19 gestorben als in der heftigsten Grippesaison der letzten Jahre. Kinder machen zwischen 1,3 bis 3,5% der wegen Covid-19 hospitalisierten Patienten aus. Es sind 37 US-amerikanische Kinder am in zwischen 1 und 0,1% der Fälle einer Infektion mit SARS-CoV-2 folgenden Pädiatrischen Inflammatorischen Multiorgan-Syndrom (PIMS) gestorben.[4] Das COVSIM-Projekt im US-Bundesstaat North Carolina hat berechnet, dass sich ohne adäquate Schutzmaßnahmen in den Grundschulen ca. 80% der Kinder bereits in den ersten 30 Tagen nach Schulöffnung anstecken werden.[5]“

Der Erlass von Ministerin Gebauer wäre bei einer Durchimpfungsquote um die 90% pro Klasse verantwortbar, nicht aber bei Quoten von ca. 25% von Schülerinnen und Schülern über 12 und 0% unter 12 Jahren. Daher reiht sich dieser Erlass in die lange Reihe von Fehlentscheidungen der Regierung Laschet beim Management der Corona-Pandemie ein. Leverkusen muss unsere Kinder davor schützen.

[1] http://die-linke-leverkusen.de/wp-content/uploads/2021/08/Anfrage-Quarant%C3%A4neregeln-in-Schulen.pdf
[2] http://ris.leverkusen.de/vo0050.asp?__kvonr=8263 https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Kontaktperson/Grafik_Kontakt_allg.pdf?__blob=publicationFile
[3] http://ris.leverkusen.de/getfile.asp?id=122795&type=do
[4] https://www.sciencenews.org/article/coronavirus-covid-kids-schools-reopening-cases
[5] https://covsim.hosted-wordpress.oit.ncsu.edu/school-level-modeling-results/, zusammengefasst unter https://twitter.com/denise_dewald/status/1426318478861013001